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Junge Wissenschaftlerinnen ins akademische Proletariat gedrängt

Der Begriff „Proletariat“ ist weitestgehend pejorativ (abwertend) konnotiert, was im Hinblick auf seine Bedeutung nur allzu verständlich ist.
Dass die Ungleichheit zwischen Frauen und Männern auch im Hinblick auf eine akademische Laufbahn sehr hoch ist, kann man nicht von der Hand weisen.
Entsprechend ist es nicht verwunderlich, dass es im Jahr 2013 an deutschen Hochschulen eine hohe Diskrepanz zwischen dem Anteil an männlichen (35.426) und weiblichen (9.587) hauptberuflichen Professoren gab. Doch wie kommt eine solche Diskrepanz zustande? Sind die Frauen einfach nicht ambitioniert genug? – Selbstverständlich nicht.

Die akademische Laufbahn – ein mutiger Weg

Als Frau eine akademische Laufbahn einzuschlagen ist in der Regel recht mutig. Neben dem Druck exzellente akademische Leistungen vorzuweisen, Tag und Nacht im Labor an Forschungsprojekten zu arbeiten und nebenher seinem Lehrauftrag gerecht zu werden, haben Frauen vor allem mit Vorurteilen und Mobbing zu kämpfen. Ihre Qualifikation wird ständig in Frage gestellt, ihre Leistungen nicht genügend honoriert und ihre Bereitschaft, sich den wissenschaftlichen Forschungsgebieten mit Leib und Seele hinzugeben, angezweifelt. Kein Wunder, dass der Begriff „akademisches Proletariat“ immer Öfter mit jungen Wissenschaftlerinnen in Verbindung gebracht wird. Der Begriff steht für Ungleichheit, Unterdrückung und Ungerechtigkeit. Die Gründe, weshalb sich immer mehr junge Akademikerinnen in einer solchen Position wiederfinden, sind einfach zu benennen:

  • Es gibt zu wenige Role Models

Rollentausch zwischen Frauen und MännernAn wem soll sich eine junge Wissenschaftlerin orientieren, wenn sie durch Worte wie „Oje wenn du diesen Weg einschlägst, wird das sehr beschwerlich“ und entsprechende Statistiken, die den geringen Anteil an Professorinnen im akademischen Bereich aufweisen, entmutigt wird?
Es muss mehr Sichtbarkeit geschaffen werden, sodass Professorinnen durch Berichte und Interviews den jungen Frauen Mut machen und sie bestärken können, eine akademische Laufbahn für sich nicht auszuschließen. Meist sind es nicht nur „Neider“, die einem von einer wissenschaftlichen Laufbahn abraten wollen. Auch Nichtakademiker oder Familienmitglieder raten einem oft von einer Karriere an der Hochschule ab, da sie denken einem am besten zu kennen und sich nicht vorstellen können, dass derjenige vielleicht später Kinder bekommt, heiratet und „häuslich“ wird.

  • Das Hochschulsystem ist auf junge Wissenschaftlerinnen nicht genügend eingestellt

Befristete Verträge, Anstellungen als „Lehrkraft für besondere Aufgaben“ und wenig Familiengerechte Arbeitsbedingungen sind nur einige Kriterien, die eine Vereinbarkeit von Familie und einer wissenschaftlichen Karriere, für Frauen sehr schwierig werden lässt. Natürlich kann man nicht am Vormittag lehren, am Nachmittag Protokolle, Hausarbeiten und Term Paper korrigieren und sich am Abend noch seiner Forschungsarbeit widmen, wenn man zu Hause ein Kind hat, das nach Aufmerksamkeit verlangt, einen Haushalt, der geführt werden muss und einen Partner, der sich bei seinem eigenen beruflichen Werdegang Unterstützung wünscht. Die Hochschule muss an dieser Stelle, den bisher fortgeführten Trend der „unerschütterlichen Superfrau“ entgegenwirken, um diesen Frauen eine Entlastung zu ermöglichen.
In dieser Kategorie ist der Handlungsspielraum von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern natürlich eher gering, denn die Reglementierung von hochschulinternen Gleichstellungsmaßnahmen fällt zweifellos der Hochschule selbst zu. Entfristete Verträge, Familienbetreuungszeiten, flexible Arbeitszeiten, Home-Office (zumindest in den Zeiten, wo nicht aktiv gelehrt werden muss) oder eine Erhöhung der Partizipation von Frauen, zum Beispiel bei Rekrutierungsverfahren, stellen hierbei nur einige Maßnahmen dar, die man zur Verbesserung der Chancengleichheit von Frau und Mann an deutschen Hochschulen in Angriff nehmen könnte.

  • Mobbing an Hochschulen wird nicht ernst genug genommen

Mobbing an der HochschuleNatürlich gibt es Mentoring-Programme, in welchem man bei psychischen und physischen Problemen von geschultem Personal der Hochschule betreut und beraten wird. Das Thema „Mobbing“ wird jedoch meist nicht angesprochen und auch in Statistiken werden oftmals lediglich Jugendliche bis zu 24 Jahren erfasst oder Erwachsene, die über Mobbing am Arbeitsplatz befragt wurden.
Dass Mobbing ein schleichender Prozess ist und auch an Hochschulen keinen Seltenheitswert besitzt, werden viele junge Wissenschaftlerinnen (und auch Wissenschaftler) bestätigen können.
Aussagen wie: „Du bist doch eh der Liebling von Professor XY“ oder „Wir wissen beide wie Sie an diese Position rangekommen sind“, stellen hierbei lediglich zwei Beispiele von unzähligen dar, wie sich Mobbing an Hochschulen äußern kann.
Hier muss präventiv gehandelt werden, nicht erst wenn Mobbing bereits stattfindet, denn dann ist die Hemmschwelle einen Vorgesetzten (zu Recht) zu belasten oftmals zu hoch. Die Hochschulen in Deutschland haben viele, sehr gute Programme (siehe auch nexus impulse aus der Praxis, Ausgabe 3, Juli 2013), um Integration und Toleranz zu fördern, sie sollten entsprechend auch im Bereich Mobbing mehr Handlungsbereitschaft zeigen.

  • Ihre Rolle als Frau wird Ihnen zum Verhängnis

Dass wir dazu neigen, andere Menschen oft in bestimmte Stereotypen zu kategorisieren, ist unzweifelhaft. Die damit verbundenen Vorurteile und Erwartungen werden vor allem für Frauen zunehmend zu einer Karrierebremse. „Du willst Professorin werden? Wie willst du das denn mit den Kindern machen? Denk an deine biologische Uhr und danach müssen diese ja auch betreut werden, sonst fehlt Ihnen die Bindung zur Mutter.“ „Was ist mit dem beruflichen Erfolg deines Mannes? Du kannst doch von ihm nicht verlangen, dass er sich da zurücknimmt, er könnte eine großartige Karriere machen“ etc. etc.

Das schlechte Gewissen

Oftmals plagt Frauen, die eine Karriere in der Wissenschaft anstreben, das schlechte Gewissen, dieses wäre jedoch unnötig, wenn es nicht genügend Menschen gäbe, die Ihnen dieses einreden.

  • Natürlich kannst du deine Kinder auch später bekommen
    – Planung ist hier das A und O.
    Das mit der Mutterbindung ist hierbei natürlich eine faule Ausrede, denn diese besteht auch, wenn das Kind tagsüber von einer Tagesmutter oder in einer Kita betreut wird.
  • Nimm Dir die Freiheit Karriere zu machen, denn du erhältst kein zweites Leben, um es nachzuholen.
  • Finde eine gute Lösung mit deinem Partner, denn eine stabile Beziehung besteht aus einer guten Mischung aus Geben und Nehmen.

Wenn der Partner sich beruflich nicht auch zurücknehmen kann, so bedeutet dies nicht gleich, dass man seinen Weg und sein Ziel aufgeben muss. Eine starke und gute Kommunikation dienen hier als Schlüsselfaktoren zur beidseitigen Zufriedenheit.

Ihre Meinung ist mir wichtig

Ich begegne während unseres Mentorings sowie im Hochschulalltag immer wieder Kommilitoninnen und Kommilitonen, die mir von ihrem Werdegang berichten und auch von den Problemen, die ihnen auf diesem Weg begegnen. Diskriminierung, Mobbing und mangelnde Anerkennung sind nur einige Themen, welche diese jungen Studentinnen und Doktorandinnen ansprechen und so auf die Belastung während ihres Studiums und ihrer Promitionszeit hindeuten.
Ich habe versucht in diesem Blogbeitrag darauf hinzuweisen, dass nicht die jungen Wissenschaftlerinnen selbst dafür zur Verantwortung gezogen werden können, ihre Laufbahn vorzeitig abgebrochen oder nicht mit genügend Erfolg abgeschlossen zu haben. Viele Faktoren spielen hierbei eine entscheidende Rolle und müssen Berücksichtigung bei der Bewertung akademischer Karrieren finden.

Mich persönlich würde hierzu natürlich interessieren

Gibt es noch weitere Faktoren, die einem als Hindernis auf der wissenschaftlichen Karrierelaufbahn begegnen können und wenn ja, wie sind Sie damit umgegangen? Welche Erfahrungen haben Sie vielleicht mit den oben genannten Problemen wie Mobbing oder Vorurteilen gemacht?
Ich würde mich freuen, wenn Sie Ihre Erfahrungen mit mir Teilen, sodass wir durch einen gemeinsamen Meinungsaustausch unseren Horizont erweitern können.

4 Kommentare
  • kristin
    31. Januar 2015

    Im Ernst?? Ich habe als Frau diese ganzen Brems-Theorien einfach ignoriert und bin jetzt, mit 37, genau da, wo ich hin wollte: 3 Kinder, Hochschulabschluss, Chefposten. Dieses Feministen-Gesülze nervt nur noch.

    • Kinga Bartczak
      31. Januar 2015

      Hallo Kristin,

      Schön das du deinen Weg auf meinen Blog gefunden hast und vielen Dank für deinen Kommentar. Ich freue mich, dass du einen erfolgreichen Weg, mit einer ausgewogenen „Work-Life-Balance“ für dich erreichen konntest und ich würde dir gerne ausführlich auf deinen Kommentar antworten:

      Das Wort „Brems-Theorie“ finde ich im Zusammenhang mit dem aktuellen politischen Diskurs leider etwas unangebracht. Wäre die Ungleichheit zwischen Mann und Frau faktisch nicht gegeben, bräuchten wir weder einen „Equal-Pay-Day“ noch eine Frauenquote. Ich stelle nicht in Frage das wir Frauen unsere Karriere nicht selbst gestalten und eine Top-Position eigenständig erreichen können, sondern weise lediglich auf die Hindernisse hin, die uns (im Verhältnis zu unseren männlichen Kollegen) in den Weg gelegt werden.

      Durch meine Mitarbeit im Gender&Diversity Management unserer Hochschule stehe ich in ständiger Korrespondenz mit Mentorinnen, Coaches, Gleichstellungsbeauftragten und selbstverständlich auch Politikerinnen. Entsprechend kann ich nicht nur aus eigener Erfahrung, sondern auch aufgrund der Lektüre von unzähligen Berichten und Statistiken zum Thema „Gender&Diversity“ auf die aktuelle Faktenlage deuten, welche weitab von einer bloßen „Theorie“ gesehen werden muss.

      Da sich dein Kommentar direkt an meinen Artikel „Junge Wissenschaftlerinnen ins akademische Proletariat gedrängt“ anschließt, finde ich es natürlich sehr positiv, dass auch du einen erfolgreichen Hochschulabschluss erreicht hast, jedoch geht es mir bei meinem Blogbeitrag explizit um junge Wissenschaftlerinnen. Hierbei meine ich entsprechend jene, die sich innerhalb einer Promotion, einer Post-Doc.-Stelle oder einer Habilitation befinden.
      Natürlich haben es auch junge Bachelor/Master – oder Diplomstudentinnen nicht leicht.
      Sich in der Position einer wissenschaftlichen Mitarbeiterin oder Referendarin wiederzufinden und innerhalb von Regularien der Hochschule und ihrer meist männlichen Role Models zu beweisen, ist hierbei jedoch noch eine weitere (und oftmals auch schwerere) Hürde.

      Zum Thema Feminismus kann ich nur folgendes sagen: Wenn Feministin zu sein bedeutet, sich für Gleichberechtigung, die Selbstbestimmung von Frauen und das Ende aller Formen von Sexismus einzusetzen, dann ja, bin ich eine Feministin und das mit Stolz.

  • Kato
    25. Mai 2015

    Danke für den ausführlichen Artikel. Ich selber arbeite wahnsinnig gerne wissenschaftlich und könnte mir -prinzipiell- vorstellen, nach dem Master noch forschend an der Uni zu bleiben. Was mich abschreckt ist die Unsicherheit: Mir scheint es, als bräuchte man wahnsinnig viel Glück & Vitamin B, um da auf einem grünen Zweig zu landen… Viele Grüße, Kato

    • Kinga Bartczak
      26. Mai 2015

      Liebe Kato,

      Schön das dir mein Artikel gefallen hat. Ich hoffe deine Bedenken gegenüber einer Promotion wurden nicht aufgrund meines Artikels geschürt, denn dies liegt natürlich keinesfalls in meiner Absicht 🙂
      Ich würde dir auf jeden Fall empfehlen dir ein Role Model zu suchen oder jemanden zu bitten, als deine Mentorin/dein Mentor zu fungieren.
      Wir können durch die Erfahrung anderer sehr viel über uns selbst lernen und nur so, über uns selbst auch hinauswachsen.
      Lass dich nicht allzusehr verunsichern, es nicht nicht leicht, aber das ist es schließlich nie.
      Mein Tipp: Schaue immer auf das Ziel und nicht auf den Weg 🙂

      Viele Grüße
      Kinga

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