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Die Powerfrau schlechthin: Meike Neitz im Interview

Ich freue mich im heutigen Interview die wunderbare Meike Neitz begrüßen zu dürfen. Meike ist Moderatorin, PR- und Startup-Expertin, Buchautorin, Eventorganisatorin, Keynote-Speakerin sowie Gründerin und Inhaberin der Kommunikationsberatung „Die Zukunftsmanufaktur„.

1. Liebe Meike, als ich deinen Werdegang zum ersten Mal entdeckte, dachte ich: „Wow, was für eine Powerfrau!“ Erzähl den Leserinnen doch kurz, wie es die junge Frau aus Bremen geschafft hat, die Welt zu bereisen und eine erfolgreiche Vorbildfrau und Unternehmerin zu werden.

Wow, ganz lieben Dank erst einmal für das Lob – das freut mich wirklich sehr! Ich bin in Bremen geboren und aufgewachsen, war aber schon immer sehr reisefreudig und abenteuerlustig. Nach dem Abitur habe ich dann eine Weltreise gemacht und kurioserweise auf dieser von dem interdisziplinären Studiengang Internationale Beziehungen in Dresden erfahren, der sich aus Wirtschafts-, Politikwissenschaften, Geschichte und Jura sowie 2 Fremdsprachen zusammensetzt. Diese Konstellation war zumindest damals einzigartig und es gab nur 34 Studienplätze. Ich habe mich beworben, es gab sogar Bewerbungsgespräche und ich wurde genommen! Einen Teil des Studiums habe ich dann am Boston College verbracht. Für meinen Master ging ich nach London, um Politische Kommunikation zu studieren.

In meinem ersten Job konnte ich dann tatsächlich beide Welten miteinander verbinden: Als Country Director der Oxford Business Group war ich dafür zuständig, ausführliche Wirtschaftsjahresberichte über verschiedene Entwicklungs- und Schwellenländer zu organisieren und zu publizieren. Dazu wurde ich immer für mindestens ein halbes Jahr in die betreffenden Länger geschickt: So lebte ich in Jakarta, Algiers, Tunis, machte jeweils zwei Projekte in Istanbul und Bangkok, um dort mit einem lokalen Team zu arbeiten. Das war eine tolle, aber sehr anstrengende Arbeit, denn als Projektleiterin war ich von der Recherche über viele Interviews mit Wirtschaftsbossen und Politikern bis hin zur Kommunikation und Sales für alles zuständig.  2013 beschloss ich, zurück nach Deutschland zu kommen und fing bei Vural Öger als Leiterin Business Development und Kommunikation an. So landete die Anfrage von Sony Pictures auf meinem Schreibtisch, die auf der Suche nach Juroren für eine neue Fernsehsendung waren. Ich riet Vural Bey, mitzumachen und kümmerte mich in den folgenden zwei Jahren komplett um „Die Höhle der Löwen“ – wieder in einer Allrounderrolle: Egal ob Investitionsverhandlungen oder Kommunikation, alles was die Sendung an ging, war mein Zuständigkeitsbereich. Nach dem Austritt von Öger habe ich mich dann selbstständig gemacht. Meine drei Säulen der Selbstständigkeit sind seitdem:

  1. Eventmoderation
  2. Kommunikationsarbeit und
  3. Pitchtraining für Startups sowie das Vernetzen von Startups & Corporates

2. Hast du persönliche „Antreiber“, die dich auch in schwierigen Zeiten motivieren, weiterzumachen?

Eigentlich muss mich meine kleine Tochter nur einmal kurz anlächeln und dann laufe ich wieder los 😊.

3. Was würdest du jungen Frauen empfehlen, die vielleicht noch ganz am Anfang ihrer Karriere stehen?

Drei Dinge fallen mir spontan ein:

  • Gerade am Anfang der Karriere sollte man sehr selbstreflektiert sein und sich genau fragen: Was kann ich? Was will ich? Viele Menschen verbiegen sich für ihren Beruf (vielleicht aus elterlichem oder gesellschaftlichem Zwang) und machen etwas, dass ihnen weder liegt, noch Spaß macht. Hier muss man ehrlich sein, seine Stärken und Interessen herausarbeiten und nach ihnen den Karriereweg formen, nicht anders herum – das macht sonst langfristig nur unglücklich.
  • Es ist extrem hilfreich für alle Lebenslagen und beruflichen Etappen, ein gutes Kontaktnetzwerk zu haben – das sollte einem bewusst sein, denn man kann nie früh genug damit anfangen, es aufzubauen
  • Mir fällt auf, dass gerade junge Frauen oft mit ihrem Selbstbewusstsein hadern, was schade ist, denn wenn sie nicht entschieden, selbstbewusst und letztlich auch fröhlich aufzutreten ist dies hinderlich für eine erfolgreiche Karriere. Daher: Ladies, seid stolz auf euch und vertraut darauf, was ihr könnt!

4. Gibt es eine konkrete Erfahrung in deinem Leben, auf die du im Nachgang lieber verzichtet hättest?

Ja, ich habe ja Ende 2015/Anfang 2016 die Insolvenz von Vural Öger’s Firmen miterleben müssen – das war eine sehr harte Zeit. Jeder, der ihn persönlich kennt, weiß, dass er ein herzensguter Mensch ist. Er hat sich allerdings in den letzten Jahren verkalkuliert. Die Gründe für die Insolvenz sind sehr facettenreich und wurden auch von den Medien nicht immer richtig dargestellt. Fakt ist: Er war über 40 Jahre ein sehr erfolgreicher Unternehmer, da tat es schon sehr weh, dass sein Unternehmertum ein solches Ende genommen hat. Wir haben bis zum Ende gehofft, dass es noch eine Wende geben würde – eigentlich war er schon für die 3. Staffel von Die Höhle der Löwen eingeplant und ich hatte mich entsprechend darauf eingestellt. Dass ich dann die Insolvenz als letztes „Projekt“ abwickeln musste, darauf hätte ich gut und gerne verzichten können.

Meike Neitz und DHDL

5. Was sind für dich die drei wichtigsten Eigenschaften, um eine erfolgreiche Unternehmerin zu sein/zu werden?

  • Drei Eigenschaften: Mut, Entschlossenheit und Disziplin. Meine alte Geschichtslehrerin, die einfach eine großartige Frau war, hat mir damals zum Abi ein Buch geschenkt mit der Widmung drin: „Fortes fortuna adiuvat – den Mutigen hilft das Glück“.

Das ist bis heute einer meiner Leitsprüche, an dem ich mich immer orientiert habe. Entschlossenheit ist wichtig, denn man muss von sich und seiner Sache überzeugt sein, dann überzeugt man auch andere und wird erfolgreich damit.

Disziplin klingt immer so altbacken, aber es ist einfach so, dass man bereit sein muss, hart und diszipliniert zu arbeiten. Von nichts kommt leider eben auch nichts…

6. Welche Themen planst du für dich zukünftig weiter auszubauen?

Ich würde mich freuen, wieder Internationaler zu arbeiten, weil ich das seit ich zurück in Deutschland bin, am allermeisten vermisse. Sehr gefreut hat mich beispielsweise, dass ich Ende November für die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) nach Baku, Aserbaidschan reisen darf, um einen Workshop zur deutschen Start-up-Landschaft zu halten. Ich arbeite zudem gerade daran, auch internationale Events zu moderieren – sprachlich spielt es bei mir tatsächlich keine Rolle, ob ich auf Englisch oder Deutsch moderiere. Im Gegenteil freut es mich eher, auf Englisch zu moderieren, wie kürzlich beispielsweise einen Pitch Contest für den japanischen Konzern NTT in München. Das hat mir riesig Spaß gemacht!

7. Jetzt hast du ja nicht nur zahlreiche berufliche Rollen inne, auch im privaten Bereich kam eine weitere Rolle auf dich zu, denn du bist Mutter einer kleinen Tochter geworden. Was hat sich durch die Geburt deiner Tochter konkret geändert?

Marie-Lou ist jetzt 15 Monate alt und das Beste, was mir passieren konnte. Sie hat mein Leben aber auch komplett auf links gedreht! Ich habe zwar, obwohl ich offiziell ein Jahr Pause gemacht habe, nie richtig aufgehört zu arbeiten, habe beispielsweise mein Buch „Einstieg in die PR“ in der Zeit veröffentlicht und einige Events moderiert.  Trotzdem konnte ich natürlich als sie so klein war, viel weniger machen und nicht so häufig unterwegs sein als zuvor. Es ist einfach so, dass man jetzt alles viel besser organisieren und strukturieren muss, um sein Berufsleben mit dem Familienleben zu vereinen. Man muss lernen, zurückzustecken und zu akzeptieren, dass es eben nicht möglich ist, spontan mal hierhin zu reisen oder da einzuspringen.  Das wirkt sich natürlich auch finanziell aus, da man nicht mehr voll arbeiten kann. Aber ich möchte mich nicht beschweren: Lou hat es mir sehr leicht gemacht und bringt jeden Tag so viel Sonnenschein ins Leben – das ist mit wirklich nichts zu vergleichen oder zu kompensieren.

8. Welche Vorteile hat es vielleicht eine sogenannte „Mompreneur“ zu sein?

  • Man bekommt einen totalen Perspektivwechsel und das ganze Leben wird in ein anderes Licht gerückt: Dinge, die einem vorher sehr wichtig erschienen, sind es jetzt einfach nicht mehr, wenn dieses kleine Menschenwesen da ist und den ganzen Raum einnimmt! Das Mama-Dasein hat auch dazu geführt, dass ich viel gelassener geworden bin, was nicht bedeutet weniger ambitioniert oder entschlossen zu sein, aber doch habe ich durch Lou gelernt, dass es einfach nichts bringt, sich wegen Kleinigkeiten zu stressen – mit kleinen Kids hat dein Leben eben ein anderes Tempo. Wenn man sich darüber ärgert oder unentspannt ist, überträgt sich das nur auf die Kleine und macht alles schlimmer. Daher: Relax!
  • Als Unternehmerin habe ich zudem gelernt, noch effizienter zu arbeiten, denn ich habe am Tag derzeit nur rund 4 Stunden zur freien Verfügung – das ist nicht viel, also muss man hier gut priorisieren und darf sich nicht ablenken lassen.

9. Was ist für dich die schwierigste Entscheidung im beruflichen Wiedereinstieg gewesen?

Ich hatte nicht eine große schwierige Entscheidung zu treffen, sondern merke, dass meine größte Herausforderung darin besteht, ständig entscheiden zu müssen, was ich wann und vor allem wie viel arbeiten kann und welche Projekte ich annehme. Gerade bei mir in der Selbstständigkeit kommen immer wieder neue Anfragen rein, was ja unglaublich toll ist und mich sehr freut. Auf der anderen Seite haben wir leider nur eine Halbtages-Kita für meine Kleine bekommen, daher kann ich nicht voll arbeiten.  Somit muss ich ständig abwägen: Was schaffe ich? Was lohnt sich? Was ist zu viel?

Meike Neitz-Keynote

10. Nun gibt es einige Frauen, die nun ebenfalls vor der Entscheidung des beruflichen Wiedereinstiegs stehen. Welche konkrete Empfehlung würdest du diesen Müttern gerne mit auf den (beruflichen) Weg geben?

Ich finde es gar nicht so leicht, pauschale Tipps zu geben, denn es ist so eine wichtige Entscheidung, die jeder sehr individuell zu treffen hat. Bei mir war es jedoch so, dass ich mich bemüht habe, auch während der Babypause, nie ganz weg vom Fenster zu sein. Das heißt ich habe immer mal wieder Netzwerkabende und Konferenzen besucht, mich mit Kolleginnen ausgetauscht, habe Artikel veröffentlicht, war auf LinkedIn und Twitter aktiv, etc. Zwischendurch raus zu kommen und was für sich selbst zu machen, erachte ich für sehr wichtig – und glaubt mir: Den Kleinen schadet es nicht, auch mal Zeit allein mit dem Papa zu haben. Im Gegenteil – es ist sogar sehr wichtig und bindungsfördernd!

Daher ist mein Tipp an alle Mamas: Zieht euch schon vorher immer mal wieder raus und macht euer eigenes Ding; macht Sport, schaut beim Arbeitgeber vorbei, bleibt im Bild, etc. Denn dann fällt der Wiedereinstieg auch nicht so schwer (Stichwort: Eingewöhnung KITA, aber auch sich selbst vom Baby lösen zu können) und ihr kommt besser wieder in den Arbeitsrhythmus rein.

Abschließend möchte ich dich bitten folgenden Satz zu beenden: „In den kommenden 5 Jahren werde ich…“

Mich freuen, viel Zeit mit meiner Tochter zu verbringen, aber gleichzeitig meine Karriere im Bereich Moderation, Kommunikation und Startup-Beratung weiter auszubauen, dabei hoffentlich noch mehr internationale Projekte zu betreuen und Konferenzen in Deutschland aber auch in spannenden anderen Ländern zu moderieren.

Liebe Meike, vielen Dank für das spannende und interessante Interview.

Meike Neitz-PowerfrauMeike Neitz ist Gründerin und Inhaberin der Kommunikationsberatung „Die Zukunftsmanufaktur“. Sie hilft Start-Ups und mittelständischen Unternehmen bei allen Fragen rund um die Kommunikation und Innovation. Dazu gibt sie Workshops zu PR und Storytellung und schreibt als Kolumnistin für das Onlinemagazin Basic Thinking regelmäßig über Kommunikationsthemen.

Mehr dazu auf Die Zukunftsmanufaktur.

 

2 Kommentare
  • Vincent Braukämper
    28. November 2019

    Ein tolles Interview!
    „[…] dass gerade junge Frauen oft mit ihrem Selbstbewusstsein hadern […]“. Genau das Problem sehe ich bei meinen Klientinnen auch oft. Wenn diese Baustelle aufgeräumt ist, öffnen sich ganz von selbst so viele Türen – oder Möglichkeiten werden sichtbar, die vorher erst gar nicht wahrgenommen wurden.

    • Kinga Bartczak
      28. November 2019

      Lieber Vincent,

      wie schön von dir zu hören! In meinen Business-Coachings kann ich deine Erfahrungen ebenfalls bestätigen. Oftmals sind junge Frauen sehr eingeschüchtert und trauen sich kaum etwas zu, weil ihr Blick recht häufig zur „Konkurrenz“ gerichtet ist. Durch ein Coaching schafft man dann schrittweise die Rückbesinnung auf die eigenen Fähigkeiten und Leistungen und ermöglicht dadurch diesen berühmten „Wow-Moment“, in welchem die Klientin merkt, wie viel in ihr steckt.

      Schön, dass dir das Interview gefallen hat!

      Bis bald und viele Grüße
      Kinga

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