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Warum eine Revolution der Arbeitszeit vonnöten ist

Flexible Zeiteinteilung hat für mich seit jeher eine große Rolle gespielt. Bei meinem jetzigen Arbeitgeber gibt es die unterschiedlichsten Arbeitszeitmodelle, auch Home Office und Telearbeit sind unproblematisch. So kam es, dass ich nebenberuflich noch eine Ausbildung zum zertifizierten systemischen Coach absolvieren konnte, mein Studium beenden kann und selbstständige Trainerin und Coach bin. Die Vorteile liegen hierbei klar auf der Hand: Meine Expertise, die Erkenntnisse aus meinen Weiterbildungen und meine in monatlichen Supervisionssitzungen erprobte Methodenkompetenz fließt regelmäßig in meine Tätigkeit als Beraterin und Vermittlerin mit ein. Dieser Mehrwert war für meinen Arbeitgeber bereits zu Beginn klar und wurde von diesem auch befürwortet.

Arbeitszeitmodelle aus dem letzten Jahrhundert

Das flexible Arbeitszeitmodelle immer noch die Ausnahme und nicht die Regel sind, wurde mir jedoch in Gesprächen mit Freunden, Familie und auch mit Klientinnen im Rahmen eines Einzelcoachings immer öfter vor Augen geführt. Sie betrachten Arbeitszeitmodelle vieler Unternehmen nicht nur als veraltet, sondern auch als rückwärtsgewandt. So glauben einige Arbeitgeber/innen, dass sie mit dem Angebot von Teilzeitstellen bereits zu den Top 3 der Weltrangliste zu gehören. Telearbeit oder Home Office werden nicht gerne gesehen und für ein besseres Zusammengehörigkeitsgefühl wieder zurückgefahren. Böse Zungen behaupten gar, dass man die Mitarbeiter/innen „kontrollieren“ muss und diese neuen „Silicon Valley-Methoden“ nicht zur Unternehmenskultur passen. Entsprechend läuft es den meisten CEOs beim Wort „Vertrauensarbeitszeit“ oftmals eiskalt den Rücken runter.

All das verblasst jedoch im Angesicht eines Obstkorbes im Aufenthaltsraum. So ein Benefit wird wohl kaum ein Mitarbeiter ausschlagen können und das macht schon einige andere Versäumnisse wieder wett.

Weit gefehlt! Wie es anders geht, habe ich bereits in meinem Artikel „Employer Branding – Mitarbeiterbindung leicht gemacht“ beschrieben.

Warum ein Nine-to-five-Job absolut Sinn macht

Verstehen Sie mich nicht falsch, ich verstehe durchaus die Argumentation FÜR einen nine-to-five-Job:

  • Es besteht eine „Kernarbeitszeit“, bei der jeder/jede Mitarbeiter/in für die Kunden/innen erreichbar ist
  • Der Austausch mit den Kollegen/innen wird erleichtert
  • Die Kommunikation und das Teamgefüge werden gestärkt
  • Sollte es zu Schwierigkeiten oder Abstimmungsproblemen kommen, ist der/die Verantwortliche sofort vor Ort
  • Es wird gewährleistet, dass Mitarbeiter/innen sich nicht überarbeiten und sich an die Höchstarbeitszeit halten
  • Als Vorgesetze/r besteht ein besserer Überblick, woran gerade gearbeitet wird

Betrachtet man allerdings welche Möglichkeiten sich durch flexible Arbeitszeiten ergeben, so fallen die oben angeführten Argumente recht schwach aus.

Die Argumente für flexible Arbeitszeiten überwiegen

Beispiel 1: Förderung von dem Biorhythmus

Nicht jeder ist ein „Morgenmensch“ und die meisten kennen vermutlich den Unterschied zwischen „Eulen“ und „Lerchen“. Warum jemanden zwingen um 07:00 Uhr morgens völlig übermüdet und entgegen seines Biorhythmus halbherzig an Projekten zu arbeiten, wenn er oder sie ab 09:00 Uhr ausgeruht und ohne vorher eine halbe Kanne Kaffee getrunken zu haben, seine/ihre Aufgaben bearbeiten kann? Die durchschnittliche Leistungskurve zeigt, dass bei uns allen im Tagesverlauf bestimmte Hochphasen, als auch Motivationskiller existieren. Der Durchschnitt ist natürlich nicht bindend. Viel wichtiger ist es, die individuellen Leistungshochzeiten zu kennen und diese auch für mehr Motivation und Produktivität zu nutzen.

Der Alltag von uns allen kann vielseitig sein. Viele haben ab und an einfach einen schlechten Morgen, hier bietet es sich natürlich an, das Projekt am Abend fertig zu machen. Vielleicht ist unter der Woche auch der Stresslevel aufgrund von Arztbesuchen, Elternabenden oder eines Umzugs besonders hoch und man würde gerne übers Wochenende (vielleicht sogar in einem Co-Working-Space) in Ruhe seine Aufgaben erledigen und am nächsten Tag das fertige Projekt präsentieren.

Grundsätzlich sollte das Credo sein: Egal wie oder wann, Hauptsache man kommt seinen Aufgaben nach, kommuniziert über mögliche flexible Zeiteinteilungen und hält die Deadlines ein, sodass das Unternehmen keinen Verlust davonträgt (und somit auch indirekt der Arbeitnehmer/die Arbeitnehmerin).

Förderung der Work-Life-Balance

Beispiel 2: Förderung der Work-Life-Balance

Ja, es gibt sie noch. Die einen sind völlig übermüdet, die anderen rasen mit 120 Sachen über die Autobahn, weil sie morgens ihr schreiendes Kind in die Kleidung zwängen und es vorbei an Kolonnen parkender Helikoptermütter und -väter aus dem Auto werfen mussten. Auf der Arbeit wird alle zwei Stunden auf die Uhr geschaut, weil der Druck in sechs Stunden zu schaffen, was andere in zehn Stunden nicht hinbekommen, omnipräsent ist. Gäbe es hier die Möglichkeiten von Home Office, Gleitzeit oder Vertrauensarbeitszeit, könnte man sich den Aufgaben auch am Nachmittag oder am Abend in voller Konzentration widmen.

Eine Idee wäre es, Teams nicht nur nach Kompetenzen, sondern auch nach gleichen Arbeitszeitmodellen zusammen zu bringen, sodass die Kommunikation gefördert wird.

Beispiel 3: Förderung der beruflichen und persönlichen Weiterbildung

Die meisten Mitarbeiter/innen haben großes Interesse an persönlicher und beruflicher Weiterbildung. Viele Fortbildungen erstrecken sich hierbei über mehrere Tage, manchmal sogar über das ganze Wochenende. Zwar existiert je nach Bundesland auch ein geregelter Bildungsurlaub, dennoch kann ein Ausgleich in Form von Freizeit eine enorme Wertschätzung für den/die Arbeitnehmer/in darstellen. Denn eines ist klar: Die aneigneten Methoden und Kompetenzen fließen IMMER zurück ins Unternehmen.

Beispiel 4: Förderung der eigenen Außenwirkung

Ich selbst blogge bereits seit über fünf Jahren und habe mir als Business-Bloggerin einen „Namen“ gemacht. Ich bin im Frauenförderbereich intensiv tätig, habe mich ehrenamtlich als Gleichstellungsbeauftragte für die Gruppe der Studierenden an der RWTH Aachen engagiert und bin als selbstständige Trainerin, Keynote-Speakerin und systemischer Coach unterwegs.

Das alles wäre nicht möglich gewesen, wenn ich nicht einen Arbeitgeber hätte, der meine persönliche und berufliche Weiterentwicklung befürwortet und den Mehrwert auch für das eigene Unternehmen sehen würde. Denn anders als viele erwarten, bin ich nicht selbstständig, um „auszubrechen“. Ich arbeite gerne in meinem Job und bin von Herzen dankbar, meine Kompetenzen auch auf anderen Wegen unter Beweis stellen zu können.

So habe ich das Gefühl, frei und ohne Zwang im Rahmen meiner Selbstständigkeit Frauen auf ihrem Weg zu einem sinnhaften persönlichen und beruflichen Leben begleiten zu können, sie zu inspirieren und ihnen gezielt neue Methoden an die Hand zu geben, selbstbestimmt und authentisch aufzutreten.

Natürlich fällt meine freie und selbstbestimmte Art mein Leben zu gestalten, entsprechend auch positiv auf meinen Arbeitgeber zurück und erhöht hierbei auch dessen Außenwirkung.

Beispiel 5: Employer Branding

Um es kurz zu machen: Liebe Arbeitgeber, willkommen im 21. Jahrhundert. Eure Arbeitnehmer/innen freuen sich mehr über eine 4-Tage-Woche, als über einen dicken Firmenwagen. Flexibilität setzt immer Vertrauen voraus und ja, man kann damit auch mal böse auf die Nase fallen. Doch grundsätzlich gilt: Ein/e glückliche/r Arbeitnehmer/in ist produktiver, mutiger, glücklicher, gesünder und zeigt mehr Einsatz.

Liebe Arbeitnehmer/innen auch für euch gilt: Willkommen im 21.Jahrhundert. Home Office und Gleitzeit bedeuten mehr Flexibilität, jedoch auch mehr Verantwortung, denn egal, ob morgens, mittags, abends oder nachts, egal ob unter der Woche oder am Wochenende, ihr seid immer mehr in der Pflicht, eure eigene Work-Life-Balance im Blick zu haben.

Kommt euer/e Arbeitgeber/in euch mit einem Zeitmodell eurer Wahl entgegen, so sind Zeitmanagement, selbstständiges Arbeiten und Kommunikation in einem noch hören Maße gefragt. Doch was macht das schon aus, wenn man dafür mehr Zeit für sich und seine persönlichen „Glücks-Indikatoren“ gewinnt und einem selbstbestimmten (Arbeits-)Leben näher kommt, nicht wahr?

Nicht jedes Modell ist in jeder Branche umsetzbar. Hier sind Offenheit und Einfallsreichtum gefragt.

Ein neuseeländisches Unternehmen macht es vor und viele weitere werden folgen. Die 4-Tage-Woche ist kein Mythos mehr, sondern gelebte Realität: Firma führt Vier-Tage-Woche bei vollem Lohnausgleich ein – und alle gewinnen

Grundsätzlich sollten wir jeden Tag #Weltfrauentag feiern und nicht nur hübsche Rosen, sondern bessere Arbeitszeitmodelle für Frauen, Männer, einfach für jeden verlangen.

Mehr dazu und der Blogparade unter: #balanceforbetter #internationalwomensday

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